Das Selbstbild ist das innere Bild, das ein Mensch von sich selbst hat: die Summe aller Überzeugungen, Bewertungen und Annahmen über die eigene Person. Es beantwortet im Kern drei Fragen. Wer bin ich, was traue ich mir zu, und was bin ich wert. In der Fachsprache ist dieser innere Selbstentwurf eng mit dem Selbstkonzept verwandt.
Drei Begriffe werden oft gleichgesetzt. In der Fachsprache werden sie nicht ganz einheitlich verwendet, meist aber mit diesen Schwerpunkten.
Ein Selbstbild ist nie ein einzelnes Urteil, sondern setzt sich aus mehreren Bereichen zusammen: dem körperlichen Selbstbild, also der Wahrnehmung des eigenen Körpers, dem sozialen Selbstbild in Beziehungen und Rollen, dem leistungsbezogenen Selbstbild dessen, was jemand sich fachlich zutraut, und dem emotionalen Selbstbild im Umgang mit den eigenen Gefühlen. Diese Bereiche können weit auseinanderliegen. Jemand kann beruflich sehr sicher auftreten und sich privat unsicher fühlen.
Hilfreich ist außerdem die Unterscheidung zwischen Realselbst und Idealselbst, die auf den Psychologen Carl Rogers zurückgeht. Das Realselbst ist das Bild, das jemand tatsächlich von sich hat. Das Idealselbst ist das Bild, das er gern von sich hätte. Klaffen beide stark auseinander, entstehen innerer Druck und Unzufriedenheit, ein Zusammenhang, den Edward Tory Higgins in seiner Selbstdiskrepanztheorie genauer beschrieben hat. Liegen sie nah beieinander, spricht Rogers von Kongruenz, einem stimmigen Verhältnis zu sich selbst.
Niemand kommt mit einem fertigen Selbstbild zur Welt. Es bildet sich über das ganze Leben, vor allem aus vier Quellen.
Weil ein Selbstbild großenteils gelernt ist, ist es auch veränderbar. Genau das ist der Ansatzpunkt jeder Arbeit an sich selbst.
Ein Selbstbild muss nicht um jeden Preis positiv sein, es sollte vor allem realistisch sein. Wer sich selbst treffend einschätzt, trifft bessere Entscheidungen, setzt sich erreichbare Ziele und geht tragfähigere Beziehungen ein. Ein verzerrtes Selbstbild dagegen, ob zu hart oder zu geschönt, führt dazu, dass ein Mensch an den eigenen Möglichkeiten vorbeilebt.
Besonders deutlich wird das in der Führung. Wer sich selbst anders wahrnimmt, als er auf sein Team wirkt, steuert im Blindflug. Die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild ist deshalb einer der wichtigsten Ansatzpunkte in der Führungskräfteentwicklung, unter anderem in der Arbeit mit persönlichkeitsdiagnostischen Verfahren.
Ein Selbstbild lässt sich nicht per Willensentscheidung umschreiben, aber es lässt sich verstehen und Schritt für Schritt verändern. Genau daran arbeiten wir im Coaching.
Über die Autorin
Antoniya Hasenöhrl
15 Jahre Führung, internationale Teams, echter Druck. Heute verbindet Antoniya Hasenöhrl dieses organisationale Wissen mit psychotherapeutischer Tiefe – für Menschen, die nicht nur an der Oberfläche etwas verändern wollen, sondern verstehen möchten, was darunter liegt. Direkt, warmherzig, mit einem Gespür für Klarheit in dem, was sich diffus anfühlt – sie begleitet Menschen und Organisationen zu innerer Klarheit, psychischer Stabilität und sozialer Wirksamkeit, als Grundlage für gesundes Führen, tragfähige Beziehungen und nachhaltige Leistung.
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