Selbstfürsorge als Grundlage wirksamer Führung
Führungskräfte tragen Verantwortung für Menschen, Ergebnisse und Entscheidungen. Dabei investieren sie häufig viel Zeit und Energie in die Unterstützung ihrer Mitarbeitenden und in die Bewältigung des Arbeitsalltags. Die eigene Belastungsgrenze gerät dabei schnell aus dem Blick.
Doch wer dauerhaft über die eigenen Ressourcen geht, riskiert nicht nur die eigene Gesundheit. Auch die Qualität der Führung leidet. Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, Geduld und emotionale Präsenz nehmen ab. Selbstfürsorge ist deshalb kein zusätzlicher Punkt auf der To-do-Liste, sondern ein wichtiger Bestandteil wirksamer Selbstführung.
Definiere bewusst, wann du arbeitest und wann nicht. Dazu gehören feste Arbeitszeiten, Pausen und Zeiten ohne berufliche Erreichbarkeit. Nicht jede Nachricht muss sofort beantwortet werden und nicht jedes Problem braucht deine unmittelbare Aufmerksamkeit.
Gerade als Führungskraft ist es wichtig, zwischen Verantwortung übernehmen und ständig verfügbar sein zu unterscheiden.
Führung bedeutet nicht, alles selbst zu erledigen. Prüfe regelmäßig, welche Aufgaben tatsächlich bei dir liegen müssen und welche Verantwortung du an dein Team übertragen kannst.
Delegation schafft nicht nur Freiraum für deine eigenen Führungsaufgaben. Sie ermöglicht Mitarbeitenden gleichzeitig, Verantwortung zu übernehmen, Kompetenzen zu entwickeln und selbstständiger zu arbeiten.
Deine Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind wichtige Voraussetzungen für gute Führung. Schlaf, Bewegung, Ernährung, Erholung und regelmäßige Pausen sind keine Nebensachen.
Achte deshalb frühzeitig auf Warnsignale wie anhaltende Erschöpfung, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen oder das Gefühl, dauerhaft nur noch zu funktionieren.
Erholung sollte nicht erst dann stattfinden, wenn keine Energie mehr vorhanden ist. Plane Urlaub, freie Tage und regelmäßige Erholungsphasen bewusst ein.
Auch kurze Unterbrechungen im Arbeitsalltag können helfen, Abstand zu gewinnen und die eigene Aufmerksamkeit neu auszurichten. Entscheidend ist, dass Erholung tatsächlich Erholung bedeutet und nicht nur eine andere Form von Arbeit.
Führung kann anspruchsvoll und manchmal auch einsam sein. Ein vertraulicher Austausch mit anderen Führungskräften, einem Coach oder einer Supervisorin kann helfen, Situationen einzuordnen, blinde Flecken zu erkennen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Gerade bei wiederkehrenden Konflikten, schwierigen Entscheidungen oder hoher persönlicher Belastung kann professionelle Reflexion entlasten.
Weiterbildung ist nicht nur eine Investition in fachliche oder methodische Kompetenz. Sie kann auch neue Perspektiven eröffnen und dabei helfen, das eigene Führungsverhalten bewusster zu gestalten.
Besonders wertvoll ist Weiterbildung dann, wenn sie mit der eigenen Praxis verbunden wird und konkrete Impulse für den Führungsalltag liefert.
Wirksame Führung beginnt mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Welche Erwartungen habe ich an mich? Was treibt mich an? Wo übernehme ich Verantwortung, die eigentlich bei anderen liegt? Welche Situationen bringen mich besonders schnell an meine Grenzen?
Regelmäßige Selbstreflexion hilft dabei, eigene Muster zu erkennen und bewusster zu entscheiden, wie man führen möchte.
Die permanente Erreichbarkeit über E-Mail, Teams oder Smartphone kann dazu führen, dass der Arbeitstag nie wirklich endet. Definiere deshalb bewusst Zeiten, in denen du berufliche Kommunikation unterbrichst.
Eine digitale Pause schafft nicht nur Abstand. Sie unterstützt auch die Fähigkeit, nach der Arbeit gedanklich abzuschalten.
Ein erfülltes Leben besteht nicht nur aus Arbeit und Führung. Freundschaften, Familie, Sport, Kreativität, Natur oder andere persönliche Interessen schaffen wichtige Ausgleichsräume.
Gerade für Menschen, die beruflich viel Verantwortung übernehmen, sind solche Bereiche keine Zeitverschwendung. Sie tragen dazu bei, die eigenen Ressourcen langfristig zu erhalten.
Manchmal entsteht Überlastung nicht allein durch die Menge der Aufgaben, sondern durch die eigenen Ansprüche. Muss ich wirklich immer erreichbar sein? Muss ich jedes Problem lösen? Muss ich Entscheidungen immer sofort treffen? Muss ich alles selbst kontrollieren?
Wirksame Führung bedeutet nicht, alles im Griff zu haben. Sie bedeutet auch, Verantwortung zu teilen, Unsicherheit auszuhalten und anderen etwas zuzutrauen.
Als Führungskraft bist du nicht nur für die Ergebnisse deines Bereichs verantwortlich. Du bist auch dafür verantwortlich, deine eigene Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.
Selbstfürsorge bedeutet dabei nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet, die eigenen Ressourcen bewusst zu führen. Denn wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, kann weder sich selbst noch andere langfristig gut führen.
Wirksame Führung beginnt deshalb bei der Selbstführung.
Über die Autorin
Antoniya Hasenöhrl
15 Jahre Führung, internationale Teams, echter Druck. Heute verbindet Antoniya Hasenöhrl dieses organisationale Wissen mit psychotherapeutischer Tiefe – für Menschen, die nicht nur an der Oberfläche etwas verändern wollen, sondern verstehen möchten, was darunter liegt. Direkt, warmherzig, mit einem Gespür für Klarheit in dem, was sich diffus anfühlt – sie begleitet Menschen und Organisationen zu innerer Klarheit, psychischer Stabilität und sozialer Wirksamkeit, als Grundlage für gesundes Führen, tragfähige Beziehungen und nachhaltige Leistung.
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