Herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Rolle. Die ersten 100 Tage entscheiden stärker als jede spätere Phase darüber, wie deine Zeit als Marketingchefin verläuft. Und hier kommt die unbequeme Wahrheit vorweg: Diese Tage werden nicht mit einer To-do-Liste gewonnen.
Analyse, Strategie, Ziele, Priorisierung. Diese Checkliste kennt jede Führungskraft, und sie steht in jedem Ratgeber. Was gute Übergänge von holprigen unterscheidet, ist etwas anderes: wie du auftrittst, wie du zuhörst und welche innere Haltung du mitbringst. Ich habe über 15 Jahre lang Marketing verantwortet und Teams geführt. Die Menschen, die gut gelandet sind, hatten selten den besten Plan. Sie hatten die bessere Haltung.
Der Druck ist von Tag eins da. Die Geschäftsführung erwartet Wirkung, das Team schaut genau hin, und du willst zeigen, dass die Entscheidung für dich richtig war. Genau dieser Druck führt zum häufigsten Fehler: vorschnelles Handeln, bevor du verstanden hast, worauf du überhaupt reagierst. „Ready, fire, aim“ nennt man das. Erst schießen, dann zielen.
Die Kunst der ersten Wochen ist nicht, schnell zu handeln, sondern die Spannung auszuhalten, es noch nicht zu tun. Das ist keine Schwäche, sondern Souveränität. Wer mit großem Ego und fertigen Umbauplänen einmarschiert, verspielt genau die Verbündeten, die er später braucht. Wer zuerst zuhört, gewinnt sie.
Das heißt nicht „bloß nichts anfassen“ um jeden Preis. Du bist in dieser Rolle, weil sich etwas verändern soll, du bist also durchaus Change-Agentin. Aber Veränderung beginnt mit Verstehen, nicht mit Ansage.
Nimm dir die ersten Wochen bewusst zum Verstehen. Sprich in der ersten Woche mit jedem Menschen in deinem Team einzeln. Nicht, um zu bewerten, sondern um kennenzulernen: Stärken, Motivation, was gut läuft, was frustriert. Diese Gespräche senden zugleich ein Signal über deinen Führungsstil, noch bevor du eine einzige Entscheidung getroffen hast.
Sprich auch mit Vertrieb, Produkt und den anderen Abteilungen. Verstehe die Geschichte, die das Unternehmen über sich selbst erzählt. Eine der wichtigsten Fähigkeiten der ersten 100 Tage ist die der Synthese: aus einer Flut von Informationen, Meinungen und Zahlen ein klares Bild zu formen.
Marketing ist die Disziplin, die am stärksten von anderen abhängt. Du brauchst Budget, Daten und Zuarbeit aus Vertrieb, Produkt und IT. Deine Wirksamkeit hängt deshalb weniger an deiner Fachkompetenz als an deinen Beziehungen nach oben, nach unten und zur Seite.
Zwei davon sind kritisch. Erstens die Beziehung zur Geschäftsführung: Kläre früh und ehrlich, was von dir erwartet wird und welchen Rückhalt du hast. Nichts ist teurer, als monatelang an etwas zu arbeiten, das nie zur Debatte stand. Zweitens die Beziehung zum Vertrieb: Wo Marketing und Sales an einem Strang ziehen, entsteht Wirkung. Wo sie sich reiben, verpufft sie.
Damit kein Missverständnis entsteht: Der handwerkliche Teil gehört dazu. In den ersten 100 Tagen solltest du
Das ist wichtig, aber es ist der Teil, den fast jede Kandidatin beherrscht. Deshalb halte ich ihn hier bewusst kurz. Der Unterschied entsteht woanders.
Du wirst schnell Ergebnisse zeigen wollen, und das ist richtig. Aber versuche nicht, alles auf einmal zu heben. Wähle zwei, drei sichtbare Quick Wins mit hoher Wirkung und geringem Risiko, und lass den Rest bewusst zunächst liegen. Neue Kanäle und Funnels starten fast immer mit schlechten Werten und werden erst mit der Zeit gut. Wer alles gleichzeitig aufreißt, erntet überall Mittelmaß.
Ein sichtbarer, sauber umgesetzter Erfolg schafft mehr Vertrauen als zehn angefangene Baustellen.
Die Versuchung, das Team schnell nach eigenem Bild umzustellen, ist groß. Widerstehe ihr. Verstehe zuerst, wen du vor dir hast. Ob ein Team trägt, hängt weniger von Titeln ab als davon, wie Stärken und Persönlichkeiten zusammenspielen. Genau hier arbeite ich mit fundierter Persönlichkeitsdiagnostik wie dem LINC Personality Profiler, um sichtbar zu machen, was in Bewerbungsgesprächen und Meetings verborgen bleibt.
Investiere früh in Entwicklung statt in Umbau. Ein Team, das sich gesehen und gefördert fühlt, folgt dir. Ein Team, das sich übergangen fühlt, verwaltet dich.
Das ist der Teil, den kaum ein Ratgeber anspricht, und aus meiner Erfahrung der wichtigste. Eine neue Führungsrolle ist immer auch ein Identitätswechsel. Du wirst nicht mehr dafür bezahlt, selbst die beste Arbeit zu machen, sondern dafür, dass andere sie tun. Dieser Wechsel vom Machen zum Führen verunsichert fast alle, auch die Kompetentesten.
Rechne mit leisen Selbstzweifeln, mit dem Gefühl, noch nicht genug zu wissen, mit dem Impuls, dich über Aktionismus abzusichern. Das ist normal. Entscheidend ist, dass du diese innere Bewegung bemerkst, statt dich von ihr treiben zu lassen. Wer sich selbst führen kann, führt auch ein Team klarer. Reserviere dir deshalb feste Zeit für Reflexion und stell dir ehrlich die Frage: Handle ich gerade aus Klarheit oder aus Druck?
Was sind die häufigsten Fehler in den ersten 100 Tagen? Zu früh zu handeln, zu wenig zuzuhören und das Team vorschnell umzubauen. Fast alle Fehlstarts lassen sich auf fehlende Geduld in den ersten Wochen zurückführen.
Soll ich schnell Veränderungen anstoßen oder erst beobachten? Beides, in dieser Reihenfolge. Verstehe zuerst, dann verändere. Ein bis zwei sichtbare Erfolge früh sind gut, ein kompletter Umbau in Woche zwei selten.
Wie gewinne ich mein Team in den ersten Wochen? Durch echtes Interesse. Einzelgespräche, ehrliches Zuhören und die Bereitschaft, erst zu verstehen, bevor du bewertest, schaffen mehr Vertrauen als jede Antrittsrede.
Brauche ich einen 100-Tage-Plan? Ja, aber einen eigenen. Nach dem Einstieg bist du nicht mehr die oberste Priorität der anderen. Ein eigener Plan mit klaren Zielen für Verstehen, Beziehungen und erste Erfolge gibt dir Halt und zeigt zugleich, wo du Unterstützung brauchst.
Die ersten 100 Tage sind deine Chance, ein starkes Fundament zu legen. Der Plan dafür lässt sich lernen. Die Haltung, aus der heraus du führst, entwickelt sich am besten im Austausch mit jemandem, der beide Seiten kennt.
Ich bin Antoniya Hasenöhrl, Diplom-Kulturwirtin, zertifizierte systemische Coachin und Change-Managerin. Ich habe über 15 Jahre lang Marketing im B2B-Bereich verantwortet und Teams geführt, und heute begleite ich Führungskräfte genau durch solche Übergänge. Im Führungskräfte-Coaching arbeiten wir an deiner Wirkung, deinen Beziehungen und deiner inneren Klarheit. Mit dem LINC Personality Profiler machen wir deine Stärken und die deines Teams sichtbar, und in der Teamentwicklung sowie im Resilienztraining stärken wir das, was dich und dein Team dauerhaft trägt.
Wenn du deine ersten 100 Tage bewusst gestalten willst, lass uns sprechen. In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir, wo du stehst und wo dein größter Hebel liegt.
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Über die Autorin
Antoniya Hasenöhrl
15 Jahre Führung, internationale Teams, echter Druck. Heute verbindet Antoniya Hasenöhrl dieses organisationale Wissen mit psychotherapeutischer Tiefe – für Menschen, die nicht nur an der Oberfläche etwas verändern wollen, sondern verstehen möchten, was darunter liegt. Direkt, warmherzig, mit einem Gespür für Klarheit in dem, was sich diffus anfühlt – sie begleitet Menschen und Organisationen zu innerer Klarheit, psychischer Stabilität und sozialer Wirksamkeit, als Grundlage für gesundes Führen, tragfähige Beziehungen und nachhaltige Leistung.
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